Veneto und Friaul – eine Genussreise

Chioggia (Veneto) 2014_VenetoFriaulChioggiaDas kleine, beschauliche Städtchen, rund 25 Kilometer südlich von Venedig, ist einen längeren Aufenthalt wert. Hier herrscht kein Touristenrummel wie in der großen Lagunenstadt, hier sind die Preise noch anständig und das Essen ganz hervorragend. Es gibt zwar nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt, am vorgelagerten Lido „Sottomarina“ türmen sich allerdings die Hotelburgen. Direkt im Zentrum gibt es das B&B „Carlo Goldoni“ in einer schönen Villa zwischen Markttreiben und einem kleinen Kanal, mit einem sehr gemütlichen Innenhof und herzlichen Vermietern. Hier hat Goldoni kurz gelebt und seine Komödie „Krach in Chioggia“ geschrieben, wird erzählt.
Zwei Restaurants sind besonders aufgefallen:
La Taverna, (Via Felice Cavalotti), seit 2009 von Felice Tiozzo und Nadia Menegatti geführt und bekocht. Köstlich die Bollito Pesce mit winzigen Tintenfischen und Lagunen- und Heuschreckenkrebsen , Vongole und Cozze, naturbelassen im Meerwasser gesotten. Die Fischplatte üppig mit Garnelen, Schnecken, Meeresspinnen, Tintenfisch und einer schönen Scheibe saftigen Polenta.2014_VenetoFriaulTratt
Osteria da Penzo, (Calle Largo Bersaglio), hier serviert Mario Rosso regionale Köstlichkeiten, die von seiner Frau Laura Schiavon ausgezeichnet zubereitet werden,  auch hier liegt der Schwerpunkt bei Fisch und Meeresgetier. Die Antipasti mit zweierlei Stockfischmousse, Lagunenaal,  Pulpo, Sardinen, Miesmuscheln und einer schönen würzigen Schnitte weißer Polenta. Der „doppelte“ Tintenfisch im eigenen schwarzen Safterl kommt einmal Natur belassen und einmal zart und fein mit Knoblauch und Chili gewürzt, hervorragend! Dazu knackigen, frischen Salat mit einem Balsamico zum Verbeugen (Lodovico Campari). ! Herrlich die Fischplatte mit drei verschiedenen Tagesfängen: dieses Mal Goldbrasse (Orata), die seltene Sarago (Weißbrasse) und einem Branzino, auch nur zart mit Zitrone und Olivenöl beträufelt, so einfach – so gut!
Den sehr guten Hauswein (Pinot Grigio) gibt es um € 11,50 die Flasche! Ja, da lässt es sich gut leben!

Cormons (Friaul) – Wer den Trubel sucht, soll einen großen Bogen um Cormans machen, so verschlafen zu jeder Tageszeit Ende September habe ich selten eine italienische Kleinstadt angetroffen. Dafür kann man sich mit schönen Radtouren, Wanderungen und kulinarischen Höhepunkten verwöhnen (lassen).
2014_VenetoFriaulBrazanEin Übernachtungstipp ist die Agrotourismo Domus Rustica in Brazzano, der Weinbauer Giorgio Deganis keltert hervorragende Weine (Pino Grigio, Malvasia, Friulano, Sauvignion), die mit dem „Hausnamen“ Zorzon auch international gut unterwegs sind. Seine Partnerin Petra Lind, eine g’standene Steirerin, die seit 7 Jahren im Friaul lebt, schupft das Marketing und die Vermietung mit einem sehr schönen Appartement und zwei netten Zimmern, einfach zum Wohlfühlen.
Einkehrtipp: „Bar Rullo“ gleich neben dem Dom – Auf ein Achterl (oder knapp mehr)und vielleicht noch ein Tramezzino mit Melanzane oder Tonno, oder eines der verschiedenen Fladenbrote mit Prosciutto crudo und Ziegenkäse oder Ruccola. Das Achterl von sehr guten Friulano kostet hier sagenhafte 1 (in Worten: ein) Euro!
Essen: Antica Osteria All’Unione. 2014_VenetoFriaulUNIONIm Zentrum von Cormons mit altmodischen Flair, viel lieblichen Kitsch und einer Seele von Donna „Giovanna“, die sich immer über Besuch aus Österreich freut, denn viele Stammgäste seien aus Linz und so begrüßt sie gleich mit „In Liinz beginnt’s“. Die Speisekarte wird angesagt und gegessen wird ohnehin, was Giovanna empfiehlt:  Antipasti mit Prosciutto crudo, die hausgemachte Salami und eine kleine Schnitte Käse, sowie zwei Oliven. Das hat uns dann allerdings beim Anblick der Rechnung doch ein wenig die gute Stimmung verdorben, für zwei Scheiben Salami und ein wenig Schinken standen 12 Euro da, und das sieht doch ein wenig nach Nepp aus. Auch die Flasche Friulano (wenn auch „bio“) um 23 Euro war im Vergleich ein wenig heftig. Vielleicht wollte die gute Giovanna auch an diesem Abend, da wir die einzigen Gäste waren, ihre Rechnung machen. Schade, das hat uns den Abend ein wenig verdorben, da konnte dann das spendierte „entschuldigende“ Achterl Rot auch nichts mehr retten. Das Essen war ja ausgezeichnet: Gnocchi aus Kastanienteig, so weich und fein, dass die im Mund fast zergehen mit Ziegenricotta und Rucccola. Sehr gut auch die Pasta mit kleinen Linguine, Melanzani und Zucchinestreifen, mit Paprika und Pepperoni leicht geschärft und sehr würzig. Einen Hauptgang haben wir dann eingespart, denn die von Giovanna hausgemachten Dolci sind ein „Muss“: Schokocreme-Tarte mit Pinienkernen und vor allem die Schoko-Tarte mit Orangenlikör.
Trattoria „Al cacciatore“ – Cormons La subida – Josko Sirk hat hier mit seiner wundervollen Gattin Loredana, die noch immer die Perle im Restaurant ist,  ein kleines Familien-Imperium aufgebaut, eine Ferienanlage ganz naturverbunden, mit Solartechnik und viel Bio, zwei Gaststätten, die besser kaum sein können. In der Osteria gibt es kleine, feine Speisen, eine sehr gute Jause, alles auf hohem Niveau.
Josko Sirk mit Gattin Loredana, Tochter Tanja und Sohn Mitja.2014_VenetoFriaulSirk
Im Restaurant „Al caccciatore“ stellt Chefkoch Alessandro Gavagna, der Schwiegersohn, mit Tochter Tanja verheiratet, die mit ihrem Bruder Mitja (mit Sommelier-Ausbildung) im Service mit dabei ist, ein Menü auf den Tisch, das einem begeistert und nach jedem Gang eine Anerkennung in die Küche schicken lässt.  Es beginnt mit lauwarmen, weißen Polenta, naturbelassen mit frischem Schafkäse und Ölivenöl, dann kommen ein Hirschtatare auf fein gehobelten Fenchel, rustikal und edel, sowie gefüllt Zucchiniblüten mit Paprika und Tomaten, feinem Kren und Apfelcarpaccio,  fein gebackene Zwiebelringe zieren Teigtascherl mit Zucchiniblüten gefüllt mit weißer Holundercreme umgarnt; Girini, das sind ganz kleine Teigspätzle, nur Mehl und Eier in heißes Wasser getropft, mit Steinpilzen und Knoblauchblüten, eine ganz große „Pasta-Freude“, Hartweizenblätter mit Gemüse-Tatare und einem giftgrünen himmlisch abgeschmeckten Kräuterpesto. Nicht fehlen darf das Aceto Sorbet vom hauseigenen Balsamico bianco, das zwischendurch eine leichte, beschwingte Kühle in die Gänge bringt. Es folgten ein cross angebratenes Kaninchenfilet mit Püree, 2014_VenetoFriaulSIRKPerlhein ganz zartes Perlhuhn mit Pfirsich-Carpaccio und Ruccola und ein Hirschkalbrücken, so zart und rosa wie man es selten findet, mit Birnencarpaccio und Balsamico-Blaukraut. 2014_VenetoFriaulSirkDesserEine Holunder-Creme mit Hauskeksen wird noch als Hausgruß serviert, bevor ein Creme-Catalan-Trio mit Lavendel, Grappa und Schokolade, sowie ein Schokomousse mit Melanzanichips das Menü vervollständigt. Ganz große Küche zum Niederknien! Dazu noch ausgezeichnete Weine mit Friaul-Schwerpunkt, aber die Weinkarte reicht weit über diese Grenzen. Und wer meint, er müsste auch da anständig zugreifen und sich durchkosten – in der Ferienanlage kann man übernachten und am nächsten Tag vielleicht, ein wenig zum Abspecken, die Sauna besuchen.

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